Während meines neunwöchigen Schüleraustausches verbringe ich die meiste Zeit im schönen Nancy und besuche das zentral gelegene lycée Jeanne d‘Arc. Meine gleichaltrige Austauschpartnerin ist eine von 16 AbiBac-Schüler*innen in ihrem Jahrgang, die in zwei Jahren das deutsch-französische Doppelabitur ablegen werden. Erst seit diesem Schuljahr, dem ersten Jahr im lycée, haben sie intensivierten Deutschunterricht, der inklusive Geschichte-Geographie auf Deutsch 11 Stunden pro Woche umfasst. Daher war ich sehr erstaunt, wie gut sie das Theaterstück „Die Physiker“ verstehen, mit dem sie sich gerade beschäftigen – denn damit haben selbst wir Muttersprachler unsere Probleme.

Dass Geschichte und Geographie sowie Physik und Chemie in Doppelfächern unterrichtet werden und Fächer wie Musik und Kunst nicht auf dem regulären Stundenplan zu finden sind, war für mich ebenso neu, wie die langen Schultage und Unterricht am Samstag. Die anderen beiden deutschen Austauschschülerinnen und ich sind uns einig, nicht bis 18 Uhr zur Schule zu gehen würden wir auch nicht für mehr Ferienwochen, wie es hier der Fall ist, eintauschen!

Da meine Austauschschülerin in einem gut 70km entfernten Dorf ohne Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel wohnt, schlafen wir unter der Woche im Internat. Das war zu Beginn eine ganz schöne Umstellung: Dreierzimmer, begrenzte Öffnungszeiten und Kantinenessen sind Dinge, an die man sich erst gewöhnen muss. Doch die anderen Internat Mädchen und die Gemeinschaft dort sind mir sehr ans Herz gewachsen – sie sind wie eine zweite Gastfamilie für mich. Wir unterhalten uns oft über kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede, Klischees über die andere Nation und ein paar französische Jugendwörter wurden mir auch schon beigebracht.

Die Nachmittage verbringen wir meistens im Park oder in der Stadt. Mit einer leckeren Waffel von einem der zahlreichen Straßenverkäufe in der Hand schlendern wir oft über den 125m langen Place Stanislas, in dessen Mitte die Statur von Stanislas Leszczynski, der letzte Herzog von Lothringen und Schwiegervater Ludwig XIV, thront. Oder von dort aus unter dem Arc Héré durch, entlang der malerischen Häuser, vorbei an der Kathedrale von Nancy zum Ufer der Meurthe. Shoppingfans, Kulturfanatiker und Naturliebhaber finden in der Hauptstadt der Region Grand Est alle ein Zuhause.

Diese Woche haben hier die zweiwöchigen Osterferien begonnen. Nun heißt es erstmal entspannen und dann den Süden dieses wunderschönen Landes am Meer rund um Nizza und Cannes erkunden. Ich bin sehr gespannt, was mich noch alles erwartet und freue mich schon riesig darauf, mit all den schönen Erinnerungen im Gepäck nach Hause zurückzukehren.

À bientôt!

Matthea