Lößnitzgymnasium
Radebeul

Schüleraustausch mit der Ukraine

Seit April 2011 bietet das Lößnitzgymnasium Radebeul den Russischschülern die Möglichkeit, an einem Austausch in den ostslawisch sprechenden Raum teilzunehmen. Die Verständigung klappt über Deutsch, Russisch und Englisch. Unsere Partnerschule ist die 5. spezialisierte Mittelschule in Obuchiv, Radebeuls Partnerstadt vor den Toren Kiews. Bisher führten wir fünfmal einen Austausch durch, der jeweils einen Aufenthalt in der Ukraine und einen in Deutschland beinhaltet. Während des Austauschs sind die Schüler in Gastfamilien untergebracht, besuchen den Unterricht mit und erleben Schulalltag und vielfältige Unternehmungen, z.B. gehört stets ein Tagesausflug nach Berlin dazu, ein gemeinsamer Besuch des Historischen Grünen Gewölbes in Dresden, in Kiew der Besuch des Höhlenklosters. Alles Weitere wird den Wünschen angepasst.

Der nächste Austausch sollte 2021 stattfinden, wird jedoch aufgrund der Pandemie verschoben auf 2022. Bei Fragen wenden Sie sich an Frau Schubert-Erkrath.

Ukraine – Erfahrungen

Die Entscheidung am Schüleraustausch mit der Ukraine teilzunehmen, war vermutlich einer der besten die ich jemals treffen konnte, auch wenn das Gefühl von Angst vor dem mir noch vollkommen Fremden, als wir am Kiewer Flughafen landeten, mich erst einmal das Gegenteil glauben ließ.

Ich hatte bis zu dem Zeitpunkt unterschätzt, wie groß die Herausforderung werden könnte mit einer mir unvertrauten Familie, die einen möglicherweise aufgrund sprachlicher Barrieren auch gar nicht versteht, zwei Wochen lang zusammenzuleben. Doch diese Angst, die sich bis zu dem ersten Zusammentreffen immer weiter aufbaute, war, wie sich herausstellte, unbegründet. Ich hatte die Chance, mich zwei Wochen lang mit einer unglaublich gastfreundlichen Familie auszutauschen. Das Essen, das meine Gastmama gekocht und gebacken hat, war очень вкусно (sehr lecker) und ich war von der generellen Fürsorge überwältigt. Gut, die Verständigung hat uns manchmal Probleme bereitet, doch wo mein Russisch aufhörte, kam man mit Händen und notfalls auch einem Übersetzer ziemlich gut weiter. Meine Austauschschülerin und ich verstanden uns auf Anhieb und sind heute noch Freunde. Wir waren fast jeden Abend bis spät in die Nacht wach und haben geredet über alles Mögliche, so dass es auch ab und zu vorkam, dass wir am nächsten Tag zu spät oder auch sehr müde in die Schule kamen. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, Kiew und die Umgebung genauer kennenzulernen und durch das Knüpfen von neuen Freundschaften die eigene Schüchternheit abzubauen. Außerdem fand ich es interessant, mehr über innerpolitische Konflikte bzw. Spannungen und generell die mir vorher unbekannte ukrainische Gesellschaft vor Ort mitzubekommen. Besonders der Besuch im Kiewer Museum, welches der Geschichte der Ukraine unter deutscher Besatzung im 2. Weltkrieg und den damit verbundenen Verbrechen an der Menschheit gewidmet war, hat mich emotional sehr berührt und mir gleichzeitig näher gebracht, wie positiv und notwendig Austausche wie diese zwischen verschiedenen Kulturen sind. Der Wechsel der Perspektive, die Betrachtung der Geschehnisse aus ukrainischer Sicht, hat sehr viel zur Weiterbildung meines Geschichtsverständnisses beigetragen. Insgesamt war der Aufenthalt in der Ukraine für mich eine gänzlich neue Erfahrung, besonders da ich zuvor noch nie so weit östlich gewesen war. Mich hat er zum Nachdenken angeregt, mein Interesse für außenpolitische Konflikte bzw. Geschichte geweckt, mir die Möglichkeit gegeben, neue Kontakte zu knüpfen und gleichzeitig auch noch zu meiner Persönlichkeitsentwicklung positiv beigetragen. Eine Teilnahme kann ich nur weiterempfehlen, besonders da die Betreuung durch die Lehrer und das von ihnen erstellte Programm für den Aufenthalt trotzdem viel Freiräume, aber gleichzeitig auch Sicherheit und Struktur vorgegeben haben.

Antonia Werner, 12